Wie entstehen Akne und Aknenarben?

July 15, 2026
-Arzt, Gökhan Baris


"Die Behandlung von Aknenarben ist eine medizinische Kunst, die ein hohes Maß an Erfahrung, Präzision und die richtige Wahl der Behandlungsmethoden erfordert. Es gibt keine einzelne Methode, die für alle Arten von Aknenarben gleichermaßen geeignet ist. Deshalb analysiere ich jede Narbe individuell und wähle für jede einzelne die effektivste Therapie aus. Häufig ist die Kombination verschiedener Verfahren der Schlüssel, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Nur durch einen individuell abgestimmten Behandlungsplan lässt sich die Erfolgsquote maximieren. Aus diesem Grund reisen Patientinnen und Patienten aus vielen Ländern an, um ihre Aknenarben persönlich von mir behandeln zu lassen."
-Arzt, Gökhan Baris


In diesem Artikel erfahren Sie zunächst, wie Akne entsteht und welche Faktoren ihre Entwicklung beeinflussen (Teil 1). Anschließend widmen wir uns den Aknenarben (Teil 2): Was genau sind Aknenarben? Warum entwickeln manche Menschen Narben, während andere trotz schwerer Akne keine zurückbehalten? Welche biologischen Prozesse stecken dahinter – und welche modernen Behandlungsmöglichkeiten stehen heute zur Verfügung?

Lassen Sie uns beginnen.



Teil 1: Akne

Wie entsteht Akne?

Akne ist eine der häufigsten Hauterkrankungen überhaupt. Mehr als 90 % aller Jugendlichen sind während der Pubertät in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen. Die Erkrankung beginnt meist mit den hormonellen Veränderungen dieser Lebensphase, kann jedoch auch im Erwachsenenalter fortbestehen oder erstmals auftreten.

Doch wie entsteht Akne eigentlich?

Die Entstehung eines Pickels ist kein einzelnes Ereignis, sondern das Ergebnis mehrerer biologischer Prozesse, die gleichzeitig ablaufen. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand spielen dabei vier zentrale Mechanismen eine entscheidende Rolle:

  • Erhöhte Talgproduktion (Sebum) in den Talgdrüsen
  • Verhornungsstörung und Verstopfung des Haarfollikels
  • Vermehrung bestimmter Hautbakterien innerhalb des verstopften Follikels
  • Entzündungsreaktion des umliegenden Gewebes

Diese vier Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und führen schließlich zur Entstehung von Mitessern, entzündlichen Papeln, Pusteln oder tieferen Knoten.

Um Akne und später auch Aknenarben wirklich zu verstehen, lohnt es sich, jeden dieser Schritte einzeln genauer zu betrachten.



Schritt 1: Erhöhte Talgproduktion

Der erste entscheidende Faktor bei der Entstehung von Akne ist eine übermäßige Produktion von Talg (Sebum).

Doch was bedeutet das eigentlich?

Akne ist in erster Linie eine Erkrankung der Talgdrüsen. Diese kleinen Drüsen befinden sich in der Haut und produzieren Talg – eine natürliche, ölhaltige Substanz, die die Haut geschmeidig hält, sie vor dem Austrocknen schützt und einen wichtigen Bestandteil der Hautbarriere bildet.

Problematisch wird es, wenn die Talgdrüsen mehr Talg produzieren, als die Haut abtransportieren kann. Der überschüssige Talg sammelt sich im Haarfollikel und schafft die Grundlage für die Entstehung von Mitessern und später entzündlichen Pickeln.

Eine der wichtigsten Ursachen für diese gesteigerte Talgproduktion sind hormonelle Einflüsse, insbesondere Androgene (männliche Geschlechtshormone), die sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommen.


Schritt 2: Verstopfung des Haarfollikels

Der zweite entscheidende Schritt bei der Entstehung von Akne ist die Verstopfung des Haarfollikels.

Talgdrüse und Haarfollikel bilden gemeinsam eine funktionelle Einheit der Haut, den sogenannten Talgdrüsenfollikel (pilosebaceöse Einheit). In diesem Bereich entsteht Akne.

Produziert die Talgdrüse zu viel Sebum und gleichzeitig lösen sich abgestorbene Hautzellen (Keratinozyten) nicht mehr normal von der Follikelwand, sammeln sich Talg und verhornte Hautzellen im Ausführungsgang an.

Dadurch verschließt sich der Follikel zunehmend.

Je nachdem, ob die Öffnung des Follikels geschlossen oder geöffnet bleibt, entstehen unterschiedliche Formen von Komedonen:

  • Geschlossene Komedonen (Whiteheads) – kleine, weißliche Erhebungen unter der Hautoberfläche.
  • Offene Komedonen (Blackheads) – sogenannte Mitesser, deren dunkle Farbe nicht durch Schmutz entsteht, sondern durch die Oxidation des Hautpigments Melanin an der Luft.

Komedonen gelten als die früheste sichtbare Form der Akne. Bleibt der verstopfte Follikel bestehen, entsteht ein sauerstoffarmes Milieu, das ideale Bedingungen für Bakterien schafft. Dadurch beginnt der nächste Schritt der Akneentstehung: die bakterielle Besiedlung und die anschließende Entzündungsreaktion.



Schritt 3: Vermehrung von Bakterien

Der dritte Schritt bei der Entstehung von Akne ist die Vermehrung bestimmter Hautbakterien im verstopften Haarfollikel.

Auf der Haut jedes Menschen leben zahlreiche Mikroorganismen, die zusammen das natürliche Hautmikrobiom bilden. Dazu gehört auch das Bakterium Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes), das bei gesunder Haut völlig normal vorkommt.

Solange der Haarfollikel offen ist, besteht zwischen Hautoberfläche und Follikel ein Gleichgewicht. Wird der Follikel jedoch durch überschüssigen Talg und verhornte Hautzellen verschlossen, verändert sich seine Umgebung grundlegend.

Im Inneren des verschlossenen Follikels entstehen ideale Bedingungen für Cutibacterium acnes:

  • viel Talg als Nährstoff,
  • wenig Sauerstoff,
  • eine warme, geschützte Umgebung.

Unter diesen Bedingungen beginnt sich das Bakterium stark zu vermehren.

Dabei produziert es verschiedene Enzyme und Stoffwechselprodukte, die den Talg abbauen und das umliegende Gewebe reizen. Gleichzeitig aktiviert es das Immunsystem und löst eine Entzündungsreaktion aus.

Die bakterielle Vermehrung allein ist daher nicht die eigentliche Ursache der Akne – sie stellt vielmehr einen wichtigen Auslöser für den nächsten Schritt dar: die Entzündung, aus der schließlich die typischen roten, schmerzhaften Pickel entstehen.

Schritt 4: Entzündung

Der vierte und entscheidende Schritt bei der Entstehung von Akne ist die Entzündungsreaktion.

Nachdem sich im verschlossenen Haarfollikel überschüssiger Talg angesammelt hat und sich Cutibacterium acnes stark vermehren konnte, reagiert der Körper mit seiner natürlichen Abwehr.

Doch was bedeutet eigentlich Entzündung?

Eine Entzündung ist die normale Reaktion unseres Immunsystems auf potenziell schädliche Reize. In diesem Fall erkennt das Immunsystem die zunehmende bakterielle Aktivität und deren Stoffwechselprodukte als Bedrohung und aktiviert verschiedene Abwehrmechanismen.

Im Rahmen dieser Immunreaktion wandern Immunzellen in das betroffene Gewebe ein und setzen zahlreiche Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) frei. Diese Stoffe sollen die Bakterien bekämpfen und die Infektion kontrollieren, führen jedoch gleichzeitig zu den typischen Beschwerden einer entzündlichen Akne:

  • Rötung
  • Schwellung
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit
  • Bildung von Papeln, Pusteln oder tieferen Knoten

Je intensiver diese Entzündungsreaktion verläuft und je tiefer sie in die Haut reicht, desto größer ist das Risiko, dass gesundes Kollagen zerstört wird. Genau dieser Kollagenverlust bildet später die Grundlage für die Entstehung von Aknenarben.

Die Entzündung stellt somit den letzten Schritt der Akneentstehung dar – und gleichzeitig den entscheidenden Übergang zu einer möglichen dauerhaften Narbenbildung, wenn sie nicht rechtzeitig kontrolliert wird.

Die Entzündung führt zum sichtbaren Pickel

Ein wesentlicher Bestandteil der Immunreaktion ist die Entzündung. Genau sie verursacht die typischen entzündlichen Pickel, die viele Menschen mit Akne verbinden.

Die Folge sind:

  • gerötete Hautveränderungen,
  • Schwellungen,
  • Druckempfindlichkeit oder Schmerzen bei Berührung,
  • teilweise auch die Bildung von Eiter.

Je stärker die Entzündung ausfällt und je tiefer sie in die Haut eindringt, desto höher ist das Risiko einer späteren Narbenbildung.

Akne tritt bevorzugt an Körperstellen auf, die besonders viele Talgdrüsen besitzen. Dazu gehören vor allem:

  • das Gesicht
  • der Rücken
  • die Brust

Da in diesen Regionen besonders viel Talg produziert wird, entstehen hier häufiger verstopfte Haarfollikel und damit die typischen entzündlichen Akneveränderungen.




Teil 2: Aknenarben

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir die Entstehung von Akne und die biologischen Prozesse hinter entzündlichen Pickeln kennengelernt. Nun widmen wir uns einem Thema, das viele Betroffene oft noch stärker belastet als die Akne selbst: Aknenarben.

Was sind Aknenarben?

Aknenarben sind dauerhafte Veränderungen der Haut, die als Folge einer entzündlichen Akne entstehen. Während die eigentlichen Pickel meist nach einigen Tagen oder Wochen abheilen, können tiefere Entzündungen das Kollagengerüst der Haut dauerhaft schädigen. Die Haut ist anschließend nicht mehr in der Lage, ihre ursprüngliche Struktur vollständig wiederherzustellen – es entstehen Narben.

Schätzungen zufolge entwickeln etwa 1 bis 11 % der Bevölkerung klinisch relevante Aknenarben. Das bedeutet gleichzeitig: Nicht jeder Mensch mit Akne bekommt automatisch Narben.

Kommt es jedoch zur Narbenbildung, kann diese die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene leiden nicht nur unter den sichtbaren Hautveränderungen, sondern auch unter den psychischen Folgen wie:

  • vermindertem Selbstwertgefühl
  • sozialer Unsicherheit
  • Angstzuständen
  • emotionalem Stress
  • depressiven Verstimmungen

Aknenarben sind deshalb nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können auch eine erhebliche psychische Belastung darstellen.

Als Arzt ist es mein Ziel, Aknenarben nicht mit einer Standardbehandlung, sondern mit einem individuell abgestimmten Therapiekonzept zu behandeln. Jede Narbe besitzt eine andere Struktur, Tiefe und Entstehungsgeschichte. Deshalb existiert keine einzelne Behandlungsmethode, die für alle Narben gleichermaßen geeignet ist.

Die besten Ergebnisse entstehen durch eine präzise Analyse und – wenn notwendig – die Kombination verschiedener moderner Verfahren. Nur so lässt sich die Haut möglichst natürlich regenerieren und das bestmögliche Behandlungsergebnis erreichen.

Welche Arten von atrophen Aknenarben gibt es?

Aknenarben sind nicht alle gleich. Sie unterscheiden sich in ihrer Form, Tiefe, Ursache und Gewebestruktur. Deshalb ist eine präzise Diagnose die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Narbentypen, darunter:

  • Atrophe Aknenarben (eingesunkene Narben)
  • Hypertrophe Narben
  • Keloide
  • Boxcar-Narben
  • Ice-Pick-Narben
  • Rolling-Narben
  • Vergrößerte Poren
  • Tethered (fixierte) Narben
  • Anchored (verankerte) Narben

Jeder dieser Narbentypen entsteht auf unterschiedliche Weise und erfordert daher eine individuell angepasste Therapie. Aus diesem Grund existiert keine universelle Behandlung, die für alle Aknenarben gleichermaßen geeignet ist.

Die Diagnose ist der wichtigste Schritt

Vor jeder Behandlung führe ich eine ausführliche Hautanalyse durch. Ziel ist es, jede einzelne Narbe hinsichtlich ihres Typs, ihrer Tiefe und ihrer Beweglichkeit genau zu beurteilen.

Dabei untersuche ich die Haut unter anderem durch:

  • Tangentiales Licht, um selbst feine Höhenunterschiede und die tatsächliche Tiefe der Narben sichtbar zu machen.
  • Palpation (Abtasten), um tief liegende Vernarbungen und fibrotische Gewebestränge zu erkennen.
  • Mimikanalyse, bei der ich den Patienten lächeln oder verschiedene Gesichtsausdrücke ausführen lasse. Dadurch lassen sich sogenannte tethered oder anchored scars identifizieren, die durch bindegewebige Verwachsungen mit tieferen Hautschichten verbunden sind.

Anschließend werden sämtliche Narben dokumentiert und fotografiert. Diese Analyse bildet die Grundlage für einen individuellen Behandlungsplan.

Warum ist diese Analyse so wichtig?

Eine erfolgreiche Behandlung beginnt nicht mit dem Laser oder einer Injektion – sie beginnt mit der richtigen Diagnose.

Nur wenn jede einzelne Narbe korrekt eingeordnet wird, lässt sich entscheiden, welche Therapie oder welche Kombination verschiedener Verfahren den größten Erfolg verspricht. Häufig kommen dabei mehrere moderne Behandlungsmethoden zum Einsatz, um ein möglichst natürliches und gleichmäßiges Hautbild zu erzielen.



Warum entstehen Aknenarben?

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir die vier Schritte der Akneentstehung kennengelernt. Der letzte und zugleich entscheidende Schritt war die Entzündung.

Genau diese Entzündung entscheidet häufig darüber, ob die Haut nach einer Akne vollständig verheilt oder ob dauerhafte Narben zurückbleiben.

Die Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit eines Pickels sind Ausdruck der natürlichen Immunreaktion des Körpers. Das Immunsystem erkennt unter anderem das Hautbakterium Cutibacterium acnes (früher Propionibacterium acnes oder P. acnes) sowie weitere entzündungsfördernde Faktoren und aktiviert zahlreiche Abwehrmechanismen, um die Entzündung zu kontrollieren.


Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem, dass sich die Immunreaktion zwischen Menschen mit und ohne Narbenbildung deutlich unterscheidet.

Patientinnen und Patienten, die später Aknenarben entwickeln, zeigen meist eine stärkere und länger anhaltende Entzündungsreaktion im Bereich der Haarfollikel und Talgdrüsen als Personen, deren Akne ohne bleibende Narben abheilt.

Die Intensität und Dauer der Entzündung spielen daher eine entscheidende Rolle dafür, ob die Haut vollständig regeneriert oder dauerhaft geschädigt wird.

Sobald die Bakterien bekämpft wurden, beginnt der Körper mit dem nächsten entscheidenden Schritt: der Wundheilung. Ziel dieses hochkomplexen biologischen Prozesses ist es, die während der Entzündung entstandenen Gewebeschäden zu reparieren.

Die Wundheilung entscheidet über das spätere Hautbild

Die Wundheilung gehört zu den komplexesten biologischen Prozessen des menschlichen Körpers.

Während dieses Prozesses arbeiten zahlreiche Zelltypen, Botenstoffe und Wachstumsfaktoren zusammen, um das geschädigte Gewebe zu reparieren. Besonders wichtig sind dabei:

  • Fibroblasten, die neues Bindegewebe bilden,
  • Kollagenfasern, welche der Haut Stabilität verleihen,
  • elastische Fasern, die für Elastizität sorgen,
  • sowie die extrazelluläre Matrix, das stützende Gerüst der Haut.

Alle diese Strukturen müssen exakt aufeinander abgestimmt neu aufgebaut werden, damit die Haut möglichst ohne sichtbare Veränderungen verheilen kann.

Die Rolle des Kollagens

Die mittlere Hautschicht (Dermis) besteht zu einem großen Teil aus Kollagenfasern, elastischen Fasern und der sogenannten extrazellulären Matrix.

Diese Bestandteile bilden das stabile Gerüst der Haut und sorgen für:

  • Festigkeit,
  • Elastizität,
  • Spannkraft
  • und eine glatte Hautoberfläche.

Kommt es während einer starken Akneentzündung zu einer Zerstörung dieses Kollagengerüstes, muss der Körper versuchen, die entstandenen Schäden zu reparieren.

Warum entstehen Narben?

Die Wundheilung zählt zu den komplexesten biologischen Prozessen des menschlichen Körpers.

Während dieses Prozesses werden kontinuierlich neue Kollagenfasern gebildet, gleichzeitig werden beschädigtes Kollagen, Elastin und Bestandteile der extrazellulären Matrix wieder abgebaut.

Verläuft die Wundheilung optimal, wird neues Kollagen in ausreichender Menge gebildet und die Haut regeneriert sich nahezu vollständig.

Ist die Entzündung jedoch besonders stark oder reicht sie bis in tiefere Hautschichten, kann der Verlust an Kollagen größer sein als die Neubildung.

Die Folge ist ein dauerhaftes Ungleichgewicht im Gewebe:

  • Wird zu wenig Kollagen neu gebildet, entstehen eingesunkene (atrophische) Aknenarben, die mit etwa 80 bis 90 % die häufigste Form aller Aknenarben darstellen.
  • Wird zu viel Kollagen produziert, können hypertrophe Narben oder Keloide entstehen.

Aknenarben sind daher nicht einfach die Folge eines Pickels, sondern das Ergebnis einer gestörten oder unvollständigen Wundheilung.

Dieses Verständnis bildet die Grundlage moderner Aknenarbentherapien. Denn nahezu alle heutigen Behandlungen – ob Subcision, fraktionierter CO₂-Laser, RF-Microneedling, PRP oder Biostimulatoren – verfolgen letztlich dasselbe Ziel: die körpereigene Kollagenneubildung gezielt anzuregen und das natürliche Hautgerüst wiederherzustellen.

Ob und in welchem Ausmaß sich Aknenarben entwickeln, wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Obwohl die genauen biologischen Mechanismen bis heute nicht vollständig verstanden sind, konnten bereits verschiedene entscheidende Einflussfaktoren identifiziert werden, die das Risiko einer Narbenbildung deutlich erhöhen.


Die Gene spielen eine entscheidende Rolle

Warum entwickeln manche Jugendliche trotz ausgeprägter Akne niemals Narben, während andere bereits nach einer vergleichsweise milden Akne bleibende Hautveränderungen zurückbehalten?

Die Antwort liegt zu einem großen Teil in unseren Genen.

Die genetische Veranlagung beeinflusst maßgeblich, wie der Körper auf Entzündungen reagiert und wie effizient die Wundheilung abläuft. Sie bestimmt letztlich das empfindliche Gleichgewicht zwischen Gewebeabbau und Gewebeneubildung, das während der Heilungsphase nach einer Akneentzündung stattfindet.

Aus diesem Grund lässt sich im Voraus nicht zuverlässig vorhersagen, welche Jugendlichen zwar Akne entwickeln, deren Haut jedoch narbenfrei abheilt, und welche Patientinnen und Patienten später Aknenarben entwickeln werden. Ebenso wenig lässt sich allein anhand der Akne erkennen, wie ausgeprägt die spätere Narbenbildung sein wird.

Diese individuelle Veranlagung ist größtenteils genetisch bedingt und wird von unseren Eltern vererbt.

Die Gene entscheiden somit nicht darüber, ob eine Akne entsteht, sondern in erheblichem Maße darüber, wie die Haut auf die Entzündung reagiert und ob während der Wundheilung genügend neues Kollagen aufgebaut wird oder dauerhaft Gewebe verloren geht.

Können alle Aknenarben behandelt werden?

Ja – absolut. Unabhängig davon, wie alt oder wie ausgeprägt Aknenarben sind, lassen sie sich in den meisten Fällen deutlich verbessern. Mit einem individuell abgestimmten Behandlungskonzept kann das Hautbild häufig um durchschnittlich 70 bis 80 % verbessert werden.

Die Behandlung von Aknenarben erfordert jedoch viel Erfahrung, ein tiefes Verständnis der verschiedenen Narbentypen sowie die Auswahl der jeweils geeigneten Therapie.

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Behandlungsergebnis liegt darin, jede einzelne Narbe individuell zu analysieren. Dabei werden sowohl der Narbentyp als auch der Hauttyp sorgfältig beurteilt, um für jede Narbe die optimale Behandlung auszuwählen.

Zu den häufigsten Aknenarbentypen gehören:

  • Boxcar-Narben
  • Ice-Pick-Narben
  • Rolling-Narben
  • Tethered Scars
  • Anchored Scars

Jeder dieser Narbentypen weist unterschiedliche anatomische Eigenschaften auf und sollte daher individuell behandelt werden.

Die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung ist eine präzise Analyse

Zu Beginn jeder Beratung erfolgt eine ausführliche dreidimensionale Untersuchung der Haut.

Dabei werden die Narben unter verschiedenen Lichtverhältnissen beurteilt, die Haut wird sorgfältig abgetastet und der Patient wird gebeten, verschiedene Gesichtsausdrücke – beispielsweise ein Lächeln – auszuführen. Auf diese Weise lassen sich tief liegende Verwachsungen sowie sogenannte tethered oder anchored scars zuverlässig erkennen.

Anschließend werden sämtliche Narben dokumentiert, kartiert und fotografiert.

Erst danach wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der sich nach

  • dem jeweiligen Narbentyp,
  • der Ausprägung der Narben
  • sowie dem Hauttyp

richtet.

Je nach Ausgangsbefund dauert ein Behandlungsprogramm in der Regel vier bis acht Monate, kann jedoch im Einzelfall auch kürzer oder länger sein.

Für jede Narbe die passende Behandlung

Der Behandlungserfolg hängt maßgeblich davon ab, dass jede einzelne Narbe mit der geeigneten Methode behandelt wird.

Aus diesem Grund beginnt jede Therapie mit einer sorgfältigen Analyse. Erst wenn der jeweilige Narbentyp eindeutig bestimmt wurde, kann die passende Behandlung ausgewählt werden.

In den meisten Fällen kommen mehrere Verfahren in Kombination zum Einsatz.

Subcision

Bei tethered oder anchored scars wird häufig eine Subcision durchgeführt. Dabei werden die bindegewebigen Verwachsungen unter der Narbe mit einer speziellen Nadel gelöst.

Sobald diese Faserstränge durchtrennt werden, hebt sich die eingesunkene Narbe häufig bereits unmittelbar an.

TCA CROSS

Tiefe Ice-Pick-Narben werden häufig mit der TCA-CROSS-Technik behandelt.

Hierbei wird eine hochkonzentrierte Trichloressigsäure gezielt in die Narbe eingebracht. Dadurch wird das Narbengewebe kontrolliert verändert, die Kollagenneubildung angeregt und die Narbe schrittweise angehoben.

Fraktionierter CO₂-Laser

Nachdem die tiefsten Narben behandelt wurden, steht die Verbesserung der gesamten Hautstruktur im Vordergrund.

Hierfür eignet sich insbesondere der fraktionierte CO₂-Laser.

Der Laser erzeugt mikroskopisch kleine thermische Behandlungszonen in der Dermis. Diese kontrollierte Gewebereizung aktiviert die natürliche Wundheilung und regt die Neubildung von Kollagen an.

Im Laufe der folgenden Monate wird das Gewebe umgebaut, wodurch atrophe Aknenarben zunehmend angehoben und das Hautbild insgesamt glatter und gleichmäßiger erscheint.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Narbentyp und individuellem Hautbefund können zusätzlich weitere Verfahren sinnvoll sein, beispielsweise:

  • chemische Peelings,
  • Punch-Exzisionen,
  • Dermal-Filler,
  • chirurgische Narbenkorrekturen
  • oder weitere regenerative Therapien.

Welche Kombination letztlich gewählt wird, hängt immer von der Art der Narben, ihrer Ausprägung und dem jeweiligen Hauttyp ab.

Da keine Aknenarbe der anderen gleicht, wird jede Behandlung individuell geplant, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Die beste Behandlung von Aknenarben – gibt es sie überhaupt?
Die beste Behandlung von Aknenarben gibt es nicht – denn jede Narbe ist einzigartig. Entscheidend sind der Narbentyp, die Ausprägung der Narben und der individuelle Hauttyp. Deshalb beginnt jede erfolgreiche Behandlung mit einer sorgfältigen Analyse. Erst danach wird ein maßgeschneidertes Therapiekonzept erstellt, das die für den jeweiligen Befund am besten geeigneten Behandlungsmethoden kombiniert.